Medulin
Ein kleines idyllisches Fischerdorf an der Adria in den 90er Jahren, größtenteils unbekannt und ziemlich spärlich besucht aber dennoch sehr charmant, charakteristisch und herzlich. So lernte ich diesen Ort damals als Kind kennen. Es war noch Krieg "da unten" und die Hotels waren voll mit Flüchtlingen. Ich war noch klein und verstand das alles nicht aber die Kampfflugzeuge die ständig über unsere Köpfe flogen kamen mir dann doch ein wenig besonders vor. Dennoch hatten wir immer eine sichere Unterkunft und die Restaurants, die damals noch in der Ortsmitte und nicht wie jetzt am Hafen angesiedelt waren buhlten gerade zu um Kundschaft. Das machte es eben aus, diese merkwürdige Mischung aus Urlaub, Krieg, Herzlichkeit und Gastfreundschaft. Klar brachten die Touristen Geld mit aber damals war das alles noch sehr erschwinglich und den Leuten dort kam das sehr zu Gute.
Es gab keine ausgebauten Autobahnen und man war gezwungen über allerhand Dörfer zu fahren auf ebensolchen Straßen. Das dauerte natürlich sehr lange doch die sich langsam wandelnde Architektur und die kleine selbstgebauten Stände am Straßenrand an denen die Leute ihre selbstgemachten Dinge verkauften war eben typisch für so eine Reise. Meistens kamen wir mitten in der Nacht oder am sehr frühen Morgen an. Ohne Google Maps, ohne ausgemachte Unterkunft, ohne Handy und eigentlich ins blaue. Damals lief halt alles anders denn man hatte solche Mittel nicht. Man kam 2 oder 3Uhr morgens an und ging erstmal ins Touristenbüro wo dann die Angestellten herumtelefonierten was denn gerade bei den Leuten an Zimmern frei ist. Lief alles schief hatte man immer noch die Moglichkeit auf dem Campingplatz zu nächtigen bis sich etwas ergab. Wir waren immer in Privatunterkünften, immer sehr freundlich, herzlich und familiär, das ist "da unten" nach wie vor Gang und Gebe. Mir gefällt das, da fühlt man sich wohl und es ist persönlich, menschlich und schafft Verbindungen zwischen den Leuten die teilweise ein ganzes Leben halten...
Mittlerweile ist das Bild ein anderes geworden. Der damals noch verstaubte Hafen mit seinen Schotterwegen wurde mit samt Promenade zur Touristenattraktion ausgebaut. Der Charm der Restaurants ist dem Konsum der Menschenmassen gewichen. Aus dem kleinen unschuldigen Fischerdörfchen ist mit den Jahren ein richtiger Hot Spot an der Adria geworden. Dennoch gibt es Nischen um die nötige Ruhe zu finden und man kann dosieren wie vielen Menschen man ausgesetzt sein möchte. Wer es ruhiger mag findet entweder in der Nebensaison, oder etwas weiter weg immer einen Platz der einen nicht überfordert.
Ich persönlich werde immer wieder mal dort vorbeischauen. Es ist wie eine zweite Heimat geworden. An "dort" habe ich mindestens so viele Erinnerungen wie an zuhause. Leider sind schon viele Leute von damals gestorben, im Leben ist das nun mal so aber ich bin immer herzlich gerne da. Ich erinnere mich an die Zeit in der die ganzen Kellner vor Ihren Restaurants standen, meistens hatten sie ein Serviertablet beladen mit Slibovic und Kruskovac und jedem der vorbeiging wurde eine Erfrischung angeboten. Die Zeiten in denen es noch Postkarten gab, kein Instagram. Zeiten die eben deswegen besonders waren weil man solche Momente weder aufnehmen, noch teilen konnte.
Autocamp
Der sehr beliebte Campingplatz der auf 2 Halbinseln dem Hafen sozusagen vorgelagert ist spielte eine entscheidende Rolle in der Entwicklung der Stadt und hat auch einen ziemlich interessanten Werdegang. Damals wurde mit Absicht reichlich Pinienbäume angepflanzt um in den heissen Sommermonaten Schatten zu spenden. Die vereinzelten Lokalitäten und die "abgeriegelte Verkehrszone" erlauben freie Bewegung mit was auch immer man unterwegs ist. Ein weiteres grosses Campingareal namens Camp Kazela befindet sich in Gehweite entlang der Küste. Genau diese Mischung machts. Es ergibt sich somit ein sehr grosses Gesamtareal an verschiedenen Lokalitäten für jedermann. Ich bevorzuge eine sehr kleine unspektakuläre Bar die eigentlich nur eine kleine Holzhütte mit Generator ist und direkt am Meer liegt, die "Bambus Bar". Dort findet man Ruhe, einen perfekter Platz um den Tag im Sonnenuntergang ausklingen zu lassen. Dennoch ist auch dies eine Niesche die in das ganze Geschehen eingebettet ist. Man muss nicht weit gehen um wiederum im Touristentrubel zu versinken. Ich war schon immer ein Freund von viel Variation, sonst wirds langweilig. Dort kann jeder so dosieren wie er meint, sei es mit Unterhaltung oder Entspannung. Neuerdings sogar ohne Zikaden. Schade denn die waren ebenso charakteristisch wie die zirpenden Grillen. Ich weiss nicht was passiert ist aber ich hörte bei meinem letzten Besuch dort KEINE EINZIGE und das ist tatsächlich merkwürdig.
Hafen
Auf diesem Foto sieht man den alten Fischer Pier an dem noch heute die Fischer ihren Fang ausladen. Gleich am Anfang dieses Piers befindet sich ein kleines sehr charmantes Restaurant namend "Mizerija" in dem man den Fang des Tages frisch geniessen kann. Geht man nun weiter in Richtung Autocamp kommt man nahtlos auf die Touristenmeile Medulins die entlang einer schönen Hafenpromenade gelegen ist. Früher gab es dort hauptsächlich staubige Wege und einige Holzbuden in denen Souveniers verkauft wurden. Heute reiht sich dort Restaurant an Restaurant, Bar an Bar und dem entsprechend ist abends natürlich sehr viel los.
Promenade bei Nacht
Die Lichterkette auf der linken Seite ist der erwähnte Fischer Pier und wie man gut erkennen kann ist entlang der Hafenpromenade auf der rechten Seite einiges geboten. Die Promenade zieht sich bis ans Ende des Hafens und knüpft an den Campingplatz "Autocamp" an. Dies ist zentraler Mittelpunkt des nächtlichen Geschehens mit samt Autoscooter, Kirmes und Karussell für die Kinder und Bars, Cocktaillounges und Restaurants für die Erwachsenen. Hier wird also eine grosse Bandbreite an Publikum mit einer dem entsprechenden Bandbreite an Geschehen begrüßt. Alles idyllisch gelegen an der äussersten Spitze Istriens. Vom Natuschutzgebiet bis zur Schiffsrundfahrt mit Delphinen im Sonnenuntergang ist für alle was dabei und genau deswegen kommen auch soviele Leute so gerne. Obwohl die Euro-Einführung und diverse Krisen wie die Coronapandemie alle ihre schädlichen Spuren hinterlassen haben lebt der Ort immer wieder auf und das ist auch gut so denn ohne diese nötigen Einnahmen gäbe es kein Bestehen.
Restaurants, Konoba's, Bar's und Tavernen
Da ist garantiert für jeden Geschmack was dabei. Auf diesem Bild hier ist das Restaurant "Octopus" das schon seit den 90ern dort existiert. Früher gab es in der Nähe auch eine Tanzterrasse namens "Europa" doch das tanzen schien den Leuten vergangen zu sein. Schade eigentlich denn dort gab es immer Livemusik. Jetzt hat stattdessen die Barkultur einzug gehalten, unzwar im gesamten Küstenbereich. Die guten alten Konoba's die den natürlichen Charm und das gemütliche Ambiente vermittelten sind leider nur noch selten zu finden. Einige der alteingesessenen Tavernen findet man noch im und um das Stadtzentrum verteilt. Dort ist das Essen auch etwas hochwertiger, am Hafen werden eher die Menschenmassen mit fritiertem abgefertigt. Natürlich gibt es Ausnahmen aber wer wirklich gut und üppig essen will sollte das Zentrum nicht auslassen. Doch das war nicht immer so. Als es die ganze Partymeile noch nicht gab, kannte man die Besitzer oder Oberkellner der Lokalitäten meist persönlich da man ja jedes Jahr über Jahre hinweg dort war. Ein ganz anderes Feeling. Heute reden die meisten jungen Bedienungen englisch, kommen nur zum Geldverdienen und sind nächste Saison wieder ganz woanders. Die Welt ist schnelllebiger geworden und das nimmt der ganzen Erfahrung dort ein wenig den Wind aus den Segeln. Das sehe vielleicht nur ich so, eben auch weil ich den Unterschied in gut 30 Jahren kennengelernt habe. Die Küche bzw. die Gerichte sind hingegen zum Glück unangetastet geblieben. Die saftigen Grillplatten, das selbstgemachte Brot und traditionelle Chevapcici sind nach wie vor etwas auf das ich nicht verzichte wollen würde. In der salzigen heissen Luft geniesst man zu seinem Fleischpaket am besten ein feines helles Bier, vorzugsweise Karlovačko. So kann man es sich zum Beispiel auch im Sonnenuntergang auf dem Campingplatz, direkt am Meer, neben der Hafeneinfahrt bei einer Pizza und einem kühlen Bier bei etwas über 30° gut gehen lassen, während die Boote langsam hereinschippern und das Wasser wie tausend Diamanten funkelt.
Wasserqualität
Klar wie Glas, warm und sehr gut für die Haut vorallem bei Schuppenflechten. Auch perfekt zum Schnorcheln und Tauchen. Manche Quallenarten sind allerdings gefährlich und auf Seeigel sollte man achten. Die Ufer sind meist aus vom Salzwasser zerfressenen Steinen, daher sind Schuhe ratsam. Ich persönlich bevorzuge das steinige Terrain mit dem klaren Wasser. Kein Sand der sich in jede Pore verirrt und sich hartnäckig an einem festklebt. Fährt man in die Nachbarortschaft Liznjan kann man solche verlassenen Steinplatten finden wie auf dem Bild. Auf denen können sich Sonnenanbeter den ganzen Tag über grillen lassen. Ich mag es gerne ruhig und sauber, deswegen fahre ich auch am liebsten an solche etwas unbekanntere Stellen. Es ist aber nur eine Frage der Zeit bis die Völkerwanderung auch dort einfällt. Die Quadtours drehen dort schon Ihre Runden und ich wäre überrascht wenn es so ruhig bliebe. Am angenehmsten ist es am späten Nachmittag wenn sich die Mittagshitze allmählich legt. Unterwasser trifft man auch auf kühle Strömungen die einen angenehmen Kontrast zur sehr milden Wassertemperatur an flachen Ufern bilden. Nach ca. 1 Woche beginnt sich dann die Haut an die Mischung aus Sonne und Salzwasser zu gewöhnen. Trockene, gerötete, gereizte und schuppige Hautstellen verblassen allmächlich oder verbessern sich zumindest erheblich. In Kombination mit Ruhe und Sorglosigkeit hilft die Psyche mit den natürlichen Körperzustand wiederherzustellen, sehr zur Erleichterung der Betroffenen.
Aktivitäten
Es ist viel geboten rund um Medulin. Es gibt ein verlassenes Militärgelände das sich als Halbinsel hinter dem Campingplatz "Kazela" erstreckt. Auf den Schotterwegen kann man nicht nur die Aussicht auf das Meer genießen, sondern auch die interessante Küstenlinie erkunden. Dort legt auch das Taxiboot zur Insel Levan an. Die weiter oben erwähnte Quad-Safari nimmt auch oft diese Wege. Man kommt auch über diese Wege in den Nachbarhafen in Liznjan. Sehr gut als Mountainbike-Ausflug geeignet den man sehr in die Länge ziehen kann. Wenn es zu warm wird, bleibt man stehen und springt einfach ins Meer. Es besteht auch die Möglichkeit einer bierischen Abkühlung im Hafen von Liznjan, dort kann man sich auch verproviantieren. Auf der anderen Seite etwas weiter weg von Medulin gibt es den Naturschutzpark Kamenjak. Dieser ist gegen Bezahlung mit dem Pkw erreichbar. Dort befinden sich mehrere kleine Buchten die bis ganz an die Spitze Istriens führen. Die Safari Bar ist dort nicht nur ein beliebter Treffpunkt sondern auch die daneben gelegenen Klippen erfreuen sich hoher Beliebtheit bei denen, die sich den Sprung trauen. Wer also Lust auf Quad, E-Bike, Motorboot, Jetski oder Rundflüge hat ist in und um Medulin ebenfalls gut versorgt. Man sollte allerdings darauf achten den entsprechenden Bootsführerschein dabei zu haben wenn man sich motorisiert aufs Wasser wagt. So einen kann man in mehreren Küstenorten in Kroatien machen, das dauert nicht lange, kostet ca. um die 300€ und der Kurs wird sogar in deutscher Sprache angeboten. Es gibt auch eine Ranch auf der man Pferdetouren buchen kann um über das oben erwähnte Ex-Militärgelände zu galoppieren. Man trifft sogar ab und zu auf Taucher die nach alten römischen Artefakten suchen und sogar manchmal welche finden. Da das Gebiet früher zum Römischen Imperium gehörte ist der Meeresgrund ein interessanter Spielplatz für solche die gerne Unterwasser Sonden Gänge machen. Einige der alten Ruinen sind sogar auf der kleinen Insel Vizula neben dem Hafen in Medulin zu besichtigen.

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